Alte Musik

Sonntag, 17. Mai 2020

11.30 Uhr

Dominikanerkirche

Landshuter Hofkapelle

ORLANDO DI LASSO: MISSA „SUSANNE UN JOUR“

Gottesdienst

Eintritt frei

Orlando di Lasso: Missa „Susanne un jour“

In der Renaissance waren die Grenzen zwischen weltlicher und geistlicher Musik fließend, weshalb sich beide Genres durchaus desselben musikalischen Materials bedienten. Dies geschah mit der Technik der Parodie. Sie geht letztlich auf die Cantus-Firmus-Technik zurück, in der die Tenorstimme eine bekannte, zumeist aus der Gregorianik oder aus weltlicher Musik stammende Melodie verwendete. In den Parodiemessen des 16. Jh. wurde nicht nur die Melodie, vielmehr der mehrstimmige Satz parodiert. Durch die Parodie wurde ein Bezug hergestellt zwischen weltlicher und geistlicher Musk, den die Hörer erkannten. Orlando di Lasso legte seiner Missa die Chanson „Susanne un jour“ von Didier Lupi Second zugrunde.

Die biblische Geschichte, auf die sie sich bezieht, stammt aus dem Buch Daniel 13,1-64: Ein reicher Mann in Babylon namens Jojaki war mit einer schönen und frommen Frau namens Susanna verheiratet. In seinem Haus verkehrten auch zwei hoch angesehene alte Richter, die sich in Susanna verliebten. In der Bibel heißt es: „Da regte sich in ihnen die Begierde nach ihr. Ihre Gedanken gerieten auf Abwege und ihre Augen gingen in die Irre.“ Sie lauerten der Frau heimlich im Garten auf, als diese ein Bad nehmen wollte, bedrängten sie und wollten sie zwingen, mit ihnen zu schlafen. Sie drohten, sie ansonsten zu beschuldigen, Ehebruch mit einem jungen Mann begangen zu haben. Doch Susanna blieb standhaft, weigerte sich und schrie. Die beiden Ältesten riefen ebenfalls lautstark, ließen Susanna verhaften und erklärten, sie beim Ehebruch überrascht zu haben. Daraufhin hielten sie öffentlich über Susanna Gericht und verurteilten sie zum Tode. Als das Urteil vollstreckt werden sollte, hatte Daniel eine Eingebung des Heiligen Geistes und stellte ein Verhör der beiden Zeugen an. Er fragte sie unabhängig voneinander, unter welchem Baum Susanna ihren Mann betrogen haben soll. Während der eine angab, sie habe es unter einer Zeder getan, sagte der andere, es sei eine Eiche gewesen. Da erkannten auch die jüdischen Autoritäten und das zuhörende Volk die beiden Lügner, und Susanna kam frei. Die beiden falschen Zeugen aber wurden getötet.

Nicht nur in der Musik, sondern auch in der bildenden Kunst gibt es seit der Renaissance zahlreiche Darstellung zu diesem Thema, z. B. von Lorenzo Lotto, Albrecht Altdorfer, Jacopo Tinteretto bis hin zu Anthonis van Dyck im 17. Jh., Lovis Corinth im 19. Jh. oder Wassyl Rjabtschenko im 20. Jh.

Lorenzo Lotto: Susanna im Bade (1517)

Landshuter Hofkapelle

Die Landshuter Hofkapelle gliedert sich in drei Teile:
• die „Bassa-Capella“ mit den leisen Instrumenten (z.B. Fidel, Harfe, Psalterium),
• die „Alta-Capella“, den „Cinque Bombardi“, mit den lauten Instrumenten (z.B. Schalmei, Trompete, Dudelsack),
• die „Hofsänger“, die an anderer Stelle auch als Instrumentalisten auftreten.

Diese Arbeitsweise entspricht der überlieferten Praxis der um 1500 an den europäischen Fürstenhöfen entstehenden Hofkapellen, ermöglicht eine flexible Probenarbeit und lässt eine große Vielfalt von Besetzungen zu. Diese reicht von solistischen Auftritten einzelner Ensemblemitglieder und kleinerer Gruppen bis hin zu den großen Konzertveranstaltungen mit allen Instrumentalisten und Sängern zusammen. Dort spielt auch ein Erzähler eine weitere wichtige Rolle. Dieser greift historische Hintergründe auf und stellt sie zusammen in Interaktion mit den Musikern szenisch dar.

Je nach Anlass präsentiert die Landshuter Hofkapelle die Stücke feierlich, unterhaltsam und so originalgetreu wie möglich. Es ist ihr Ziel, das musikalische Repertoire für sich und die Landshuter Hochzeit kontinuierlich zu erweitern. Die Basis dafür bietet eine leidenschaftliche und jahrzehntelange Sammel- und Forschungstätigkeit, für die der Austausch mit international anerkannten Musikern und Wissenschaftlern aus dem Bereich der „Alten Musik“, der Kontakt zu Instrumentenbauern aus ganz Europa und auch der Rückgriff auf die in den Bibliotheken aufzufindenden Drucke und Handschriften der Zeit um 1500 eine selbstverständliche Grundlage geworden sind. Die Wiederbelebung dieser teilweise seit Jahrhunderten verstummten Musik bietet einen besonderen Reiz für das Ensemble und setzt die geleistete Pioniertätigkeit der Landshuter Hofmusik unter Hans Walch konsequent fort.

Service

Konzertkarten
Online-Buchung: hier
Bestellschein: hier
Festivalkasse: ab Mitte April 2020

Konzertprogramme
sind voraussichtlich ab Anfang April 2020 erhältlich und können online als pdf heruntergeladen werden (siehe Kopfzeile beim jeweiligen Konzert) und sind an der Festival- und Abendkasse gegen eine Gebühr erhältlich.

Information, Kartenverkauf, Hotelreservierung
Festivalbüro:
Verkehrsverein Landshut e.V.
Altstadt 315 (Rathaus)
84028 Landshut
Tel. 0871-92205-0 - Fax 0871-89275
e-mail: tourismus@landshut.de
web: www.landshut-tourismus.bayern