Die Landshuter Hofmusiktage 2020 stellen die Frau in der Musik ins Zentrum ihres Jubiläumsprogramms.

 

Bis ins 18. Jahrhundert galt die Regel „Mulieres in ecclesiis taceant“: Frauen sollen in der Kirche schweigen. Doch auch im weltlichen Bereich hatten sie es schwer. Bis ins 19. Jh. war es für Frauen unschicklich, in der Öffentlichkeit zu musizieren. Tänzerinnen, Sängerinnen und Instrumentalistinnen zählten über viele Jahrhunderte zu den gesellschaftlich geächteten Vagabunden und am Hof galten sie oft als Kurtisanen. Für die ersten Komponistinnen waren deshalb Frauenklöster die einzige Möglichkeit, ihre Kunst zu entfalten. Dies gilt ebenso für Kassia in Konstantinopel im 8. Jh. wie für Hildegard von Bingen im 12. Jh. Erst im 17. Jh. wurde es Frauen möglich, jenseits der Rolle einer Heiligen oder einer Verführerin als Musikerin zu wirken. Eine der ersten Komponistinnen, deren Werke veröffentlicht wurden, war die Venezianerin Barbara Strozzi. Doch weiterhin wurden Frauen als Komponistinnen nicht ernst genommen: Noch im 19. Jh. musste die ebenso begabte Schwester von Mendelssohn, Fanny Hensel, auf eine Musikerkarriere verzichten.

Komponistinnen des Mittelalters, Barocks und der Romantik
Die Landshuter Hofmusiktage, die 2020 ihr 20. Jubiläum feiern, widmen sich dem Thema „Frau Musica – Musik von, mit und über Frauen“. Renommierte Ensembles und Solisten aus Europa und den USA werden zahlreiche Facetten dieses Thema musikalisch beleuchten. Arianna Savall, die Tochter des Alte-Musik-Pioniers Jordi Savall und der Sängerin Montserrat Figueras widmet sich zusammen mit dem norwegischen Tenor Petter Johansen und ihrem Ensemble Hirundo Maris der „Vox Cosmica“ Hildegard von Bingens. Das mit zahlreichen Schallplattenpreisen ausgezeichnete italienische Ensemble La Venexiana entdeckt die hochexpressive und virtuose Musik von Barbara Strozzi. Der österreichische Hammerklavierspezialist Wolfgang Brunner bringt zusammen mit der Sopranistin Gudrun Sidonie Otto die Lieder von Fanny Hensel zu Gehör und stellt sie denen ihres Bruders, Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüber. Dazu lesen Katharina Elisabeth Kram und Jochen Decker aus den Briefen zwischen Schwester und Bruder.

Liebeslieder, Commedia dell‘Arte und Kastraten
Das Verhältnis zwischen Frau und Mann spielt in drei Konzerten eine wichtige Rolle: die international gefeierte A-Cappella-Formation Singer Pur zeigt in ihrem Programm „Herztöne – Liebeslieder aus vier Jahrhunderten“ die glückliche Seite, die Commedia-dell’arte-Gruppe I buffoni dispettosi die grotesken Abgründe in ihrem Theaterstück „Die Irrungen der Colombina“. Das fulminante Schlusskonzert des Festivals erinnert an den Wettstreit zwischen den Primadonnen und Kastraten in der Barockoper. Dabei verwischen die Rollenbilder von Frau und Mann, wenn s i e Männer- und e r Frauenrollen singt. Die soeben mit dem Opus Klassik ausgezeichnete lautten compagney BERLIN führt mit zwei internationalen Stars der Barockoper, mit der Sopranistin Vivica Genaux, und dem Countertenor Lawrence Zazzo, ins Labyrinth der Gender Stories.

Weltstar Ute Lemper porträtiert Marlene Dietrich
Frauen wurde seit archaischen Zeiten die Gabe der Prophetie zugesprochen. Das Landshuter Ensemble ad libitum wird die „Prophetiae Sibyllarum“, eines der geheimnisvollsten Werke von Orlando di Lasso singen. Eine „MeToo“-Geschichte aus biblischen Zeiten hat Orlando di Lasso zum musikalischen Thema einer Messe gemacht. Die von der Landshuter Hofkappelle aufgeführte Missa „Susanne un jour“ erinnert an die Geschichte der Babylonischen Richter, die eine junge Frau beim Baden beobachteten und begehrten. Diesen alten Frauenbildern stellt Ute Lemper, eine der wenigen deutschen Weltstars, ihr Porträt von Marlene Dietrich, der ersten in Hollywood erfolgreichen, deutschen Schauspielerin und Sängerin, gegenüber. Als Brücke von der alten zur neuen Musik erklingen in ihrem Programm „Rendezvous with Marlene“ die populären Songs aus den Goldenen Zwanzigern in Berlin und aus dem Amerika eines Cole Porter und Bob Dylan.

Erstmals: Alte Musik für alle
Im Format „Alte Music rockt“ zeigt die mit dem deutschen Rock&Pop Preis ausgezeichnete Mittelalter-Folkrock-Band FuchsTeufelsWild, dass Alte Musik höchst modern sein kann. Zum 20. Jubiläum erprobt das Festival das neue Format „Alte Musik für alle“. Bei freiem Eintritt kann im Konzertsaal Heiligkreuzkirche die wunderbare Einheit von Raum und Klang beim Konzert des Bayerischen Jugend-Barockorchesters erlebt werden. Dabei treten in Solokonzerten von Albinoni u.a. an der Barockoboe und der Blockflöte Valerie Colen und Sophia Schambeck auf, zwei junge Virtuosinnen auf dem Sprung zur internationalen Karriere.
Das Rahmenprogramm des Festivals lädt zu Vorträgen und Exkursionen über bedeutende Landshuter Frauen ein. Die Kunstausstellung zeigt die Porträts von Komponistinnen aus 1000 Jahren und die von der Jury ausgezeichneten Bilder des Jugendkunstwettbewerbs 2020.

12 Konzerte in 9 verschiedenen Räumen
Das einmalige Erlebnis von Musik in ganz besonderer Architektur hat für die Landshuter Hofmusiktage seit ihrer Gründung 1982 einen hohen Stellenwert. 2020 findet das Festival in 9 verschiedenen Konzertsälen statt, erstmals in der Abteikirche Seligenthal, in der Afrakapelle und in der Sparkassen-Arena.
Das umfangreiche und hochkarätige Jubiläumsprogramm kann durch die Unterstützung des Bayerischen Staates, des Bezirks Niederbayern, der Stadt Landshut, der Sparkasse Landshut und der Mäzene und Sponsoren Jakob und Eva Zeiler, der Dräxlmeier Group, der Landshuter Zeitung und dem Verkehrsverein Landshut realisiert werden. Kooperationen verbinden das Festival mit der Pfarrei Sankt Jodok, der Abtei Seligenthal, dem Gymnasium Seligenthal, der vhs Landshut, der Alten Kaserne, der Sparkassen-Arena, BR Klassik, dem Bayerischen Volkshochschulverband und dem Bayerischen Tonkünstlerverband.

Kartenvorverkauf ab 25.11.
Der Kartenvorverkauf beginnt am 25.11.2019. Bis zum 31.12 gibt es den Frühbucherrabatt von ca. 10%. Wer das Festival unterstützen will, ist im Förderkreis willkommen. Dessen Mitglieder erhalten auf Konzertkarten 20% Rabatt und werden zum Künstlerempfang eingeladen. Konzertkarten können online über www.landshuter-hofmusiktage.com oder mit dem Bestellschein erworben werden.

Weitere Informationen:

Verkehrsverein Landshut e.V.
Altstadt 315 (Rathaus)
84028 Landshut
Tel. 0871-92205-0 – Fax 0871-89275
e-mail: tourismus@landshut.de
web: www.landshut-tourismus.bayern

Ausführliche Informationen über das Programm und Pressefotos (Bereich „Presse“) auf:

www.landshuter-hofmusiktage.com