Alte Musik 

Sonntag, 24. Mai 2020

19.00 Uhr

Rathausprunksaal

 

Konzertpatenschaft: Landshuter Zeitung

Vivica Genaux (Sopran), Lawrence Zazzo (Countertenor), lautten compagney BERLIN, Wolfgang Katschner (Leitung)

(10) GENDER STORIES

40,00 €
Frühbucher: 36,00 €
Förderkreis: 32,00 €

Foto: Markus Lieberenz

Gender Stories

Gender Stories. Für ein barockes Programm ein eher unpassender Name – Gender-Diskurs in der Barockzeit? Aus heutiger, für die Wahrnehmung von Geschlechterrollen, -Konventionen und -Erwartungen sensibilisierter Sicht aber bietet sich uns ein interessantes Bild für die Zeit zwischen 1700 und 1750. Norbert Elias beschreibt in „Die höfische Gesellschaft“ eindrucksvoll die funktionale Trennung eines üblichen Pariser Adelssitzes in zwei gleichberechtigte, voneinander unabhängige Trakte: einer für den Herrn, der andere für die Dame, in denen beide getrennt voneinander ihrem gesellschaftlichen Leben nachgehen konnten. Nur im verbindenden Mittelteil eines hôtel fand das gemeinsame Leben, fanden Empfänge, Soiréen und Konzerte statt. Von einer Unterordnung der Frau unter den Mann ist man hier recht weit entfernt, zumindest solange man die rechtliche Stellung der Frau außer Acht lässt.

In der Barockoper spiegelt sich das gleich in mehrfacher Weise.

In weitverbreiteten Metastasio-Libretti wie „Siroe“ oder „Semiramide riconosciuta“ sind es starke Frauen, die in Männerkleidern ihre Interessen verfolgen und durchsetzen – erfolgreich in „Semiramide“, in „Siroe“ siegt die Vernunft über die in Männerkleidern verfolgte Tötungsabsicht. Auch Bradamante in Händels „Alcina“, eine Kriegerin, sucht ihren verlorengegangenen und alles heldischen abspenstig gewordenen Geliebten Ruggiero in Männerkleidern und bringt ihn so überhaupt erst wieder zu sich selbst zurück.

Ein spezielles Phänomen ist die Übernahme von Frauenpartien durch Männer, nicht zuletzt induziert durch das päpstliche Verbot von Frauen auf römischen Opernbühnen. Hier stellt sich zunächst die Frage nach der geschlechtlichen Identität des Ausführenden, wie sie Filippo Balatri in seiner gereimten Autobiografie „Fiori del mondo“ (1735) aufwirft: „Nenn ich mich Mann, sag ich ne Lüge / Frau würd ich mich weniger noch nennen“. Hält man sich dann vor Augen, dass Kastraten wie Giacinto Fontana (genannt Farfallino, kleiner Schmetterling) oder Giovanni Belardi für ihre perfekten Frauendarstellungen weithin berühmt waren, verschwimmen die uns heute geläufigen Trennlinien der Geschlechterdifferenzierung vollends. Beispiele dafür geben die Tamiri-Arie „Tu mi disprezzi“ aus Lampugnanis Semiramide-Fassung von 1741, die Giovanni Belardi sang, und das Duett zwischen Siroe und Emira aus Galuppis „Siroe“ von 1754, das Caffarelli als Siroe und Giovanni Belardi als Emira vorsah.

Die Hosenrolle ist uns heutigen Operngängerinnen und -gängern nach wie vor geläufig. Allerdings war sie schon weit vor Mozarts Figaro-Cherubino verbreitet: Sängerinnen wie Vittoria Tesi oder Lucia Lancetti wurden gerade für ihre Darstellung von männlichen Figuren auf der Bühne gefeiert, ganz ähnlich wie Vivica Genaux heute, die Lancettis Orlando aus Vivaldis „Orlando furioso“ in diesem Programm die Stimme leiht. Um die Verwirrung komplett zu machen, haben wir einige dieser Arien in unserem Programm Lawrence Zazzo gegeben: Maria Caterina Negris Bradamante in Händels „Alcina“ und Antonia Margherita Merighis Amastre in Händels „Serse“ werden von ihm gesungen. Die sehr vordergründige Frage, ob da jetzt eine Frau oder ein Mann singt, erübrigt sich und lenkt die Konzentration auf das Eigentliche, das Musik leisten kann: menschliche Emotionen einfangen und kanalisieren, ganz im barocken Sinne das Publikum bewegen und ihm eine Projektionsfläche für das eigene Erleben und Fühlen bieten.

Gerd Amelung 

Bild oben: Der Kastrat Farinelli in einer Frauenrolle, Karrikatur von Pierleone Ghezzi, 1724, Collection Janos Scholz New York, Bild unten: Die Primadonna Vittoria Tesi, Federzeichnung von Maria Zanetti, Fondazione Cini, Venedig.

Vivica Genaux

Die Mezzosopranistin Vivica Genaux, Preisträgerin des Johann-Adolf-Hasse-Preises 2019 und des Händelpreises Halle 2017, hat im Laufe ihrer mehr als zwanzigjährigen Karriere weltweit in den wichtigsten Konzertsälen und Opernhäusern gesungen. Zu den Orten, an denen sie ihre unvergessliche Stimme präsentieren konnte, zählen das Beijing National Center for the Performing Arts, Barbican Center London, Metropolitan Opera New York, Rudolfinum Prag, Teatro Real Madrid, Théâtre des Champs-Élysées Paris, und Staatsoper Wien.

Vivicas Opernrepertoire speist sich aus vier Jahrhunderten Musikgeschichte und umfasst mehr als sechzig Partien, darunter mehr als vierzig Hosenrollen. Für ihre unvergleichliche Koloraturtechnik und die dramatische Intensität ihrer Darstellung wird sie von Publikum und Kritik gleichermaßen gelobt und hier besonders für ihre Interpretationen des barocken und Belcanto-Repertoires gewürdigt. Ihre Arbeit ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, und ihre Ton- und Videoaufnahmen werden weithin begeistert aufgenommen. Ihr Engagement für die Musik Johann Adolf Hasses hat entscheidend zur Wiederentdeckung dieses zu Unrecht vergessenen Komponisten beigetragen, und ihr pädagogischer Enthusiasmus schlägt sich in Meisterkursen und Lehrverpflichtungen auf der ganzen Welt nieder.

2019 begann für Vivica mit zwei Konzerten in Valetta und Antwerpen, mit einem Programm um den Kastraten Farinelli, gefolgt von einem Auftritt mit La magnifica comunità in Verona. Nach Konzerten in Poissy und Bilbao mit Les musiciens du Louvre sang sie im Februar eine Händel-Gala bei den Internationalen Händel-Festspielen Karlsruhe, bei dem sie zusammen mit der Mezzosopranistin Ann Hallenberg Werke von Vivaldi, Händel, Rossini und Bellini zu Gehör brachte. Im April hat sie ihr Rollendebüt als Emma in Rossinis Zelmira mit der Washington Concert Opera in Washington, DC, bevor sie Ende des Monats in einer konzertanten Aufführung der Pinchgut Opera-Produktion von Hasses Artaserse im Londoner Sadler’s Wells Theatre im Rahmen der International Opera Awards zu erleben ist. Diese Produktion in der Kategorie “Wiederentdeckungen” gewann.

Im Mai sang sie im Musikverein Wien ein Vivaldi-Programm mit dem Bach Consort Wien und präsentierte im Anschluss bei klangvokal Dortmund und den Händelfestspielen Halle das neue Programm „Gender Stories“ zusammen mit dem Countertenor Lawrence Zazzo und der lautten compagney Berlin. Diese Präsentation wurde im Dezember in Olten (Schweiz) wiederholt. Bei den Salzburger Pfingstfestspielen war sie in einem Ensemble hochgepriesener Kolleginnen und Kollegen am Galakonzert Farinelli & Friends beteiligt und trat mit New York Baroque Inc. in Caramoor auf. Bei den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik hatte sie ihr Rollendebüt als Trasimede in Riccardo Broschis „Merope“, bevor sie mit Europa Galante im September Händels „Lucio Cornelio Silla“ beim George Enescu Festival in Rumänien sang.

Vivica spielt in der Spielzeit 2019 – 2020 des Theaters an der Wien eine herausragende Rolle. Sie singt Trasimede in Broschis „Merope“ (21. Oktober), die Titelrolle in Händels „Rodrigo“ (20. Dezember), und die Titelrolle in Hasses „Irene“ (29. Januar).

2018 war Vivica unter anderem im Konzertprogramm Deux Génies en Italie zu hören, das Musik von Händel und Alessandro Scarlatti kombiniert, und in ihrem selbst entwickelten multimedialen Konzert Vivica & Viardot, das unter anderem in der Salle Gaveau in Paris sowie in Spanien und weiteren Orten in Frankreich zu hören war. Sie tourte in Europa, Asien, Mexiko und den USA. Beim Festival International d’Opéra Baroque in Beaune sang sie Rodrigo in Händels gleichnamiger Oper und wirkte an einer Tournée von Händels „Serse“ mit dem Ensemble Il pomo d’Oro als Arsamene mit. Im Dezember 2018 sang sie in Australien erstmals die Partie des Mandane in Hasses „Artaserse“ und in einem Konzert mit Pinchgut Opera.

2017 brachte Vivica einige Meilensteine ihrer Karriere: So hatte sie Rollendebüts als Lepido in Händels „Lucio Cornelio Silla“, als Arsamene in Händels „Serse“ und als Eternità und Diana in Cavallis „La Calisto“; außerdem war sie wieder als Malcom in Rossinis „La donna del lago“ zu erleben. Ein wichtiges Ereignis war überdies die Gründung der V/Vox Academy, bei der sie den Einweihungskurs leitete.  

 

Foto: RibaltaLuce Studio.

Lawrence Zazzo

In seiner Kindheit wirkte Lawrence Zazzo in Schultheatern und -chören mit (u. a. Philadelphia Boy’s Choir) und trat auch als Zauberer „The Great Zazzini“ für kleinere Kinder aus der Nachbarschaft auf. Nach dem Stimmbruch bemerkte er, dass er seine Altstimme im Falsett behalten hatte und begann, damit zu arbeiten. Er sang in zahlreichen High School-, Barbershop- und A-cappella-Chören. Dies legte den Grundstein für seine Entscheidung, Englische Literatur und Musik an der Yale University (1989–1993) und am King’s College (Cambridge), England, zu studieren (1993–1995). Eigentlich strebte er eine Karriere als Dirigent, Konzertsänger oder eine akademische Laufbahn an. Während er sein Gesangsstudium am Royal College of Music in London absolvierte (1995–1997), debütierte er als Oberon in Benjamin Brittens „A Midsummer Night’s Dream“. Im selben Jahr sang er die Titelpartie in Händels „Arminio“ beim Londoner Handel Festival. Dies war der Beginn seiner Opernkarriere, die sich daraufhin schnell entwickelte.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitete Zazzo an seiner Doktorarbeit über Händels Oratorien. Er promovierte an der Queen’s University in Belfast und erhielt im Dezember 2015 den Doktor der Philosophie in Musikwissenschaften.

Lawrence Zazzo hat in diversen Opernhäusern und Konzertsälen mit vielen Dirigenten zusammengearbeitet, darunter René Jacobs, William Christie, Nikolaus Harnoncourt, Ivor Bolton, Christopher Hogwood, Trevor Pinnock, Christophe Rousset, Harry Bicket, Emmanuelle Haïm, Harry Christophers, Paul Goodwin, Péter Eötvös, Rinaldo Alessandrini, Hervé Niquet, Jean-Claude Malgoire, Jordi Savall, James Conlon, Peter Dijkstra und Leonardo García Alarcón.

Zu seinen wichtigsten Opernrollen zählen Giulio Cesare in „Giulio Cesare“ (Metropolitan Opera New York, La Monnaie Brüssel, Netherlands Opera Amsterdam, Opéra National de Paris, English National Opera London, Concertgebouw Amsterdam, Semperoper Dresden), Orfeo in Orfeo ed Euridice (Opernhaus Oslo, Canadian Opera Company Toronto, Reisopera Netherlands), Radamisto in Radamisto (English National Opera London) und Gualtiero in Griselda (Scarlatti) (Staatsoper Berlin). Er sang die Titelrollen in „Sosarme“ (Teatro Nacional de São Carlos), in Alessandro (Karlsruhe), in Orlando (Cardiff, Bristol, London) und in „Solomon“ (Royal Opera House, London).

Er verkörperte den Ottone in „Agrippina“ (La Monnaie Brüssel, Théâtre des Champs-Élysées Paris, Frankfurt), den Ottone in L’incoronazione di Poppea (Bayerische u. Berliner Staatsoper, Theater an der Wien, La Monnaie Brüssel), den Goffredo in „Rinaldo“ (Berliner Staatsoper, Opéra National de Montpellier, Opernhaus Zürich), den Farnace in „Mitridate“ (Bayerische Staatsoper München) und die Rolle des Ruggerio in „Orlando furioso“ (Oper Frankfurt). Er sang den Cardenio in Francesco Bartolomeo Contis „Don Chisciotte in Sierra Morena“ (Theater an der Wien). Er übernahm den Altpart in der Semi-Oper „The Fairy Queen“ von Henry Purcell (Berliner Philharmonie) und die Rolle des Arsace in „Partenope“ (Théâtre des Champs-Élysées Paris, Ferrol, Amsterdam, Pamplona, Philharmonie Essen und Madrid). In der deutschen Erstaufführung von Francesco Cavallis „Veremonda“ sang er den Delio (Rokokotheater Schwetzingen, Staatstheater Mainz). Er sang den Arsamene in Händels „Serse“ (Oper Frankfurt, Beaune), die Rolle des Unulfo in „Rodelinda“ am Teatro Real in Madrid und die Rolle des Bertarido in „Rodelinda“ an der Opéra National de Lyon.

Zu seinem Repertoire gehören zahlreiche Oratorien wie Händels „Messiah“ (Oper Shanghai, Notre Dame Paris, Wiener Konzerthaus, Kathedrale von Winchester, Herkulessaal), „Semele“ (Kölner Philharmonie, Concertgebouw Amsterdam, Concertzaal Gent), „Theodora“ (Chan Centre for the Performing Arts Vancouver, Théâtre des Champs-Élysées, Theater an der Wien), „Jephtha“ (Stefaniensaal Graz), „Acis and Galatea“ (Théâtre des Champs-Élysées, Theater an der Wien), Samson (Beaune, Namur) und „Saul“ (Beaune, Namur) sowie Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“ (Harris Theater Chicago, Ambronay, De Deolen Rotterdam) und „Johannes-Passion“ (Chicago, Kölner Philharmonie, Leeds).

Zudem sang er verschiedene Rollen in zeitgenössischen Werken. Unter anderem Oberon in „Brittens A Midsummer Night’s Dream“ (Opéra National de Lyon, Canadian Opera Company Toronto, Teatro all’ Opera di Roma, Festival d’Aix-en-Provence, Poly Theater Peking, Hamburgische Staatsoper), Trinculo in Thomas Adès’ „The Tempest“ (Royal Opera House Covent Garden), Refugee in Jonathan Doves „Flight“ (Glyndebourne Festival) und Mascha in Péter Eötvös’ „Drei Schwestern“ (Opéra National de Lyon, La Monnaie Brüssel, Theater an der Wien). Er sang die Rolle des Odysseus in der Uraufführung der „Sirenen – Bilder des Begehrens und des Vernichtens“ von Rolf Riehm an der Seite von Michael Mendl (Oper Frankfurt). Des Weiteren sang er die Weltpremiere von Rolf Riehms „Die Tode des Orpheus“ in Saarbrücken und die Premiere von Geoff Pages „Kantate Paradise Lost“ basierend auf John Miltons „Paradise Lost“.

lautten compagney BERLIN – OPUS Klassik Preisträger “Ensemble/Orchester” 2019

 Die lautten compagney BERLIN ist eines der renommiertesten und kreativsten deutschen Barockensembles. Seit mehr als drei Jahrzehnten faszinieren die Konzerte unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Katschner ihre Zuhörer. Ganz gleich, ob als Kammerensemble oder als Opernorchester, mit ansteckender Spielfreude und innovativen Konzepten überwindet das Ensemble dabei immer wieder Grenzen und sucht die Begegnung mit neuen Klängen und anderen Künsten.

Die lautten compagney BERLIN ist Preisträger des OPUS Klassik 2019 und wurde mit der Aufnahme „War & Peace 1618:1918“ mit Dorothee Mields in der Kategorie „Ensemble/Orchester“ ausgezeichnet. Die CD Timeless, die Musik des Frühbarock mit Werken von Philip Glass vereint, erhielt 2010 den ECHO Klassik. Auch die Verleihung des Rheingau Musik Preises 2012 würdigte die innovativen Konzertprogramme der lautten compagney. 2018 kamen zwei weitere Brückenschläge hinzu: Misterio mit Musik von Astor Piazzolla und H. I. F. Biber sowie War & Peace, das Musik aus der Zeit des 30jährigen Krieges mit Chansons von Hanns Eisler und Friedrich Hollaender kombiniert.

Eine große Leidenschaft des Ensembles gilt dem Musiktheater. Seit 2004 jedes Jahr als Opernensemble zu Gast bei den Händelfestspielen Halle, präsentierten sie 2011 Händels Rinaldo in einer Realisierung der Compagnia Marionettistica Carlo Colla & Figli, die 2015 bei Arthaus Musik als DVD erschien. 2017 wurde mit Händels Giustino die zweite Zusammenarbeit in Bad Lauchstädt gezeigt. Als einziges großes deutsches Barockensemble widmet sich die lautten compagney der historischen Bühnenkunst. Auf Händels Parnasso in Festa in der Regie von Sigrid T’Hooft 2018 folgen 2019 Haydns Lo Speziale in der Regie von Nils Niemann, und bei den Händelfestspielen Halle wird Niels Badenhop Händels Alcina realisieren.

2019 feiert die lautten compagney ihr 35jähriges Bestehen. Sie blickt auf eine ausgesprochen reiche und intensive Zeit zurück, in der sie wiederholt ihre Wandlungsfähigkeit auf höchstem künstlerischen Niveau unter Beweis gestellt hat: vom Lautenduo, gegründet in der DDR in einer Zeit, zu der Historisch Informierte Aufführungspraxis ein heiß diskutiertes Feld meist als „Müsligeiger“ belächelter Spezialisten war, hat sich das Ensemble nach der Wende zu einer gefragten Kammermusik- und Opernformation entwickelt – nicht zuletzt Wolfgang Katschners Händel-Preis von 2004 dokumentiert dies. Seit über zehn Jahren zählt die lautten compagney nun zur europäischen Spitze der Barockensembles; die neueste Selbsterfindung des Ensembles schlägt sich in den bahnbrechenden Repertoire-Kombinationen und intelligenten Wort-Musik-Programmen nieder. So gesehen stellt die lautten compagney auch die Avantgarde des klassischen Musikbetriebs dar: abseits oft bemüht wirkender Programme mit zeitgenössischer Musik lädt sie ihr Publikum regelmäßig dazu ein, die „Klassische Musik“ neu zu erfahren und Wahrnehmungsschranken zu überwinden.

Foto: Markus Lieberenz

Wolfgang Katschner

Von Haus aus Lautenist, gründete Wolfgang Katschner 1984 zusammen mit Hans-Werner Apel die lautten compagney BERLIN, Herzstück seines vielfältigen Wirkens als Musiker, Organisator und Forscher in den Klangwelten der „Alten Musik“.

Die lautten compagney zählt seit Jahren zu den führenden deutschen Barockensembles; ihr Markenzeichen ist neben ihrem spezifischen Klang die große Bandbreite an Programmen. Neben sehr unterschiedlichen Besetzungen vom Kammermusikensemble mit 4 SpielerInnen bis zum Mozart-Orchester zeichnet das Ensemble vor allem die von Wolfgang Katschner konzipierte kreative Auseinandersetzung und Einbindung des historischen Repertoires aus. So treffen in Konzertprogrammen Texte von Cervantes auf spanische Musik des 17. Jahrhunderts, Luthers Briefe auf Musik der Spätrenaissance oder die Tagebucheinträge des englischen Seelords Samuel Pepys auf Werke von Purcell und seinen Zeitgenossen.

Auf CDs präsentiert sich Wolfgang Katschner mit seinem Ensemble als Grenzgänger; neben Weltersteinspielungen von Opern wie “Didone abbandonata” (dhm/Sony 2018) stehen ungewöhnliche Kombinationen von Komponisten: Philipp Glass und Tarquinio Merula (“Timeless”, dhm/Sony 2010), Heinrich Schütz und Friedrich Hollaender (“War & Peace”, dhm/Sony 2018) und Heinrich Ignaz Franz Biber und Astor Piazzolla (“Misterio”, dhm/Sony 2018). Der Erfolg dieser Aufnahmen und Konzertprogramme bei Presse und Publikum gibt den Konzepten recht – jedes dieser Programme steht für die Überzeugung, dass „Alte“ Musik genauso modern ist wie die später geschriebene Musik und sich, tritt man einmal aus der selbstgewählten Isolation als Musiker „Alter“ Musik, für Musiker wie Publikum äußerst gewinnbringend mit modernerem Repertoire verbinden lässt.

Seit einigen Jahren tritt Wolfgang Katschner auch erfolgreich als Gastdirigent an deutschen Opernhäusern hervor. So war er 2012–2016 musikalischer Leiter des „Winter in Schwetzingen“; nach Gastspielen in Bonn (Händels “Rinaldo” und “Giulio Cesare”) und Oldenburg (Hasses “Siroe”) verantwortet er 2018 zwei Opernproduktionen am Staatstheater Nürnberg: Monteverdis “Ulisse” am Ende der Spielzeit 2017/18 und Händels “Serse” im November 2018.

Verstärkt engagiert sich Wolfgang Katschner zudem in der Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses. Er war Gastprofessor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, beim SingFest in Hongkong, Artist in Residence bei „BarockVokal“ in Mainz und arbeitet 2018 und 2019 mit Sängern an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar.

Foto: Ida Zenna

Service

Konzertkarten
Online-Buchung: hier
Bestellschein: hier
Festivalkasse: ab Mitte April 2020

Konzertprogramme
sind voraussichtlich ab Anfang April 2020 erhältlich und können online als pdf heruntergeladen werden (siehe Kopfzeile beim jeweiligen Konzert) und sind an der Festival- und Abendkasse gegen eine Gebühr erhältlich.

Information, Kartenverkauf, Hotelreservierung
Festivalbüro:
Verkehrsverein Landshut e.V.
Altstadt 315 (Rathaus)
84028 Landshut
Tel. 0871-92205-0 - Fax 0871-89275
e-mail: tourismus@landshut.de
web: www.landshut-tourismus.bayern