Landshuter Hofmusiktage 2006: Dokumentation
Messe 6

Landshuter Hofkapelle

MESSE VON PEÑALOSA

Sonntag, 16. Juli 2006, 11.15 Uhr
Dominikaner Kirche

Landshuter Hofkapelle
Die 'Landshuter Hofkapelle’ hat es sich zur Aufgabe gemacht, höfische und geistliche Musik des Spätmittelalters und der Renaissance zu rekonstruieren und aufzuführen. Dabei ist es ein besonderes Anliegen, die Musik so originalgetreu wie möglich zu präsentieren. Deshalb wird das Ensemble für die Aufführung dieser Messe um einige Sänger erweitert und instrumental mit Posaunen, Schalmei und Pommer besetzt. Das reichhaltige Repertoire der Landshuter Hofkapelle ist das Ergebnis einer leidenschaftlichen und jahrelangen Sammel- und Forschungstätigkeit. Die Wiederbelebung dieser oft seit Jahrhunderten verstummten Musik bietet einen besonderen Reiz und setzt die Pioniertätigkeit der 'Landshuter Hofmusik’ konsequent fort.

MESSE VON PEÑALOSA
1526 bestätigen die Statuten der Kathedrale von Sevilla eine neue, bisher in Spanien undenkbare Musizierpraxis: zum Gesang treten die lauten Instrumente Schalmei, Pommer und Posaune hinzu. Francisco Peñalosa (ca.1470 – 1528) war das angesehene Mitglied einer Komponistengeneration, die diesen Stil als erste auf die iberische Halbinsel brachte. Er hatte Verbindungen zum königlichen Hof in Aragon und zur Kathedrale von Sevilla. In Rom war er der beliebteste Musiker des Papstes gewesen.



Kritik im Feuilleton der Landshuter Zeitung vom 19.7.2006

Mit kontemplativer Ruhe

Die Landshuter Hofkapelle bei den Landshuter Hofmusiktagen

Geistliche Musik war in Spanien zu allen Zeiten nur dem katholischen Kultus verpflichtet. Ihrer Blüte im 16. Jahrhundert widmeten die jetzt zu Ende gegangenen Landshuter Hofmusiktage besondere Aufmerksamkeit. Einen leuchtenden Markstein hatte dabei in seinem Konzert das Hilliard Ensemble gesetzt. Am gleichen Ort, nämlich in der Dominikanerkirche, war jetzt zwei Tage später gleichsam die Praxis zu erleben, nämlich die musikalische Gestaltung eines Gottesdienstes mit der missa "el ojo" des Francisco de Peñalosa. Die Landshuter Hofkapelle widmete sich dieser Aufgabe mit einem erweiterten Ensemble von zehn Sängern, in wechselnder Folge auch gestützt von Instrumenten und so der Musizierpraxis folgend, wie sie sich in Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts auszubilden begann. Mit Schalmei, Pommer, Flöten und Posaunen waren dabei reizvolle Klangmischungen möglich.

Das tat gut, denn die Messkomposition erwies sich als ungewohnt weit ausschweifend, den eher knappen liturgischen Text in immer neuen, sinnreichen Wendungen ausformulierend. In kaum einer der großen Messen der Wiener Klassik dauert etwa das Sanctus auch nur annähernd so lange wie bei diesem Komponisten. Vor und nach die Verkündigung des Evangeliums hat er überdies noch ein bewegtes Alleluja für drei Stimmen gesetzt. Wie es scheint, hat man sich damals in Spanien für den Gottesdienst wirklich Zeit genommen.

Zeit nahm sich auch die Landshuter Hofkapelle. Mit kontemplativer Ruhe folgte sie den weit sich dehnenden musikalischen Motivsträngen Peñalosas. Da konnte auch der Zuhörer, so er wollte, sich in einen Klangraum der frommen Betrachtung einfinden. Daraus leicht aufgeschreckt war er nur dann, wenn die (vorzüglich geblasene) Schalmei am Zug war, denn gegen ihre grell aufsteigende Intensität hatten Sänger und Posaunen einen recht schweren Stand. Sonst aber waren Stimmen und Instrumente beinahe zart verhalten und sehr stimmig einander verbunden. Auf diese missa konnte man sich gut einlassen.


Herrmann Metzger