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12. 7.: Konzert 1
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Rahmen-
programm

Impressum

Landshuter Hofmusiktage 2006: Dokumentation
Konzert 1

I Fagiolini, London
TOD, TANZ UND SALAT
Musik der Spanischen Renaissance-Höfe
Canciones, Romanzen und Tänze von Juan del Encina und Juan Anchieta, Ensaladas von Garcimuñós und Mateo Flecha.

Mittwoch, 12. Juli 2006, 21.00 Uhr
Innenhof der Residenz
bei schlechtem Wetter: Rathausprunksaal

Konzertpatenschaft
CONTINENTAL

I Fagiolini
Ihre Deutschlandpremiere bei den Landshuter Hofmusiktagen 2004 begeisterte das Publikum. I Fagiolini zeigen, wie unterhaltend, witzig und komödiantisch Renaissancemusik sein kann. Sie singen Alte Musik überall auf der Welt und zu allen Anlässen, sogar bei den Londoner Proms, und inszenieren sie zu geistvollem und modern wirkendem Theater (mehr).

TOD, TANZ UND SALAT
Der Stierkampf ist ein Tanz mit dem Tod. Diese Nähe von Ernst und Leichtigkeit ist ein Kennzeichen spanischer Kultur – und auch dieses Programms. Es zeit das Spanien nach der Reconquista: Lobgesänge auf die Eroberung Granadas und Trauergesänge über seinen Fall, Liebeslieder zwischen Christen und Mauren und das witzige Mischen von Sprachen in den „Ensaladas“, die von zeitlosen Tanzrhythmen bestimmt werden und die Lieder von der Strauße, aus der Liturgie, in Latein und Spanisch, sogar in maurischen Dialekten zu komisch-dramatischen Szenen aus dem Spanien des 16. Jahrhundert verbinden.

Besprechung des Konzerts im Feuilleton der Landshuter Zeitung vom 14. 7. 2006

Mit erfrischender Lebendigkeit

Das britische Vokalensemble I Fagiolini entführte ins "Siglo de oro“

Ja, genau so muss es auch damals gewesen sein, als maurische und spanische Hofdamen von Liebe sangen: Eine laue Sommernacht, eine zarte Stimme erhebt ihren Gesang in einem "patio" der AIhambra zum filigranen Klang der Gitarre und entrückt die Zuhörer. Zugegebenermaßen wurde der Innenhof der Landshuter Residenz, in dem die Sängerin des britischen Vokalensembles I Fagiolini innig ein Lied eines unbekannten spanischen Meisters vortrug, im italienischen Stil erbaut, aber das Publikum fühlte sich in dieser auch dank der guten Akustik einzigartigen Atmosphäre in Spaniens goldenes Zeitalter versetzt.

"Unsinn" sei es, was I Fagiolini, das sind Clare Wilkinson (Mezzosopran), Nicholas Mulroy (Tenor) und Matthew Brooks (Bariton) und er da als erstes Lied gesungen hätten, erklärte der als Moderator fungierende Countertenor Robert Hollingworth. Es war "La tricotea", ein französisches Lied, das spanische Seeleute ohne den Text zu verstehen, mitbrachten und "einspanischten". Das mit einer gesunden Portion Humor geimpfte Ensemble, begleitet von Eligio Quinteiro (Laute und Gitarre) und Joy Smith (Harfe), ist durchaus empfänglich für Unsinn und bringt erfrischende Lebendigkeit in diese uns zeitlich ferne Musik.

Vielleicht gibt es technisch noch brillantere Vokalensembles, aber sicher wenige, deren Stimmen so warm und lebendig modulierend harmonieren und die mit vorbildlicher Deklamation und mit so viel Freude gestenreich das Publikum so direkt ansingen.

"Tod, Tanz und Salat" ist ein etwas gewöhnungsbedürftiges Motto für einen ehrwürdig "klassischen" Konzertabend, doch trifft es den Nerv der Sache. Tanz und Tod stehen für die Nähe von Ernst und Leichtigkeit in der spanischen Kultur. Und unter Salat muss man sich eine große Schüssel gemischtem Salat vorstellen, dann hat man eine bildliche Vorstellung dessen, was wir als Quodlibet kennen und was in Spanien "ensalada" genannt wurde, eine Gattung, in der populäre Melodien sowie unterschiedliche Sprachen zusammengewürfelt werden.

Mateo de Flecha, der bis um 1550 lebte, war der Großmeister dieser Gattung. Manche dieser Lieder sind hochpolitisch. Da wird etwa auf die Auflösung der aragonischen Hofkapelle nach dem Tod Ferdinands angespielt. Die Musik in Person der Hinterbliebenen beklagt in "La viuda" (die Witwe) den Verlust des guten Geschmacks. Köstlich war die regelrechte Inszenierung von Flechas "EI fuego", bei dem sich die herzerweichend inbrünstig singende Truppe "Opfer" aus dem Publikum holte. Angerufen wird in dieser lyrischen Meterware die Inquisition, die ja damals, als Spanien vor Zapatero noch die Speerspitze des katholischen Glaubens war, eigens eine stattliche Einrichtung war, um das Feuer (fuego) der Sünde zu löschen. Ein krönender Abgang.

Eberhard Iro